Immobilienanlagen im Check 

Sind Immobilien sicher, gerade in unruhigen Zeiten?

06.04.2022 5 Minuten Lesezeit

Porträtbild von hausInvest Ratgeberautor Thomas Henrich
Thomas Henrich
hausInvest Ratgeber-Autor
Ein bärtiger Mann mittleren Alters mit schwarzer Brille, einem dunkelblauen Anzug und einem hellbauen Hemd sitzt im Treppenhaus eines Büros mit Glaswänden und guckt direkt in die Kamera.
Auch in Krisenzeiten bauen Fachleute auf Immobilien. Doch ist die Anlage wirklich so wind- und wetterfest, wie es häufig heißt?

Inhalt

Selten war die wirtschaftliche Entwicklung so ungewiss wie im letzten Jahr. Bis in den Spätsommer wurde spekuliert, ob reihenweise Unternehmen unter den langfristigen Folgen der Pandemie insolvent gehen. Die Hartnäckigkeit der Krise verunsicherte Anleger:innen zu Beginn des Jahres ähnlich wie die Ungewissheit durch die im Herbst erfolgten Neuwahlen.  

Jedoch sieht es nach dem Absturz der Wirtschaftsleistung um 4,9 Prozent im Jahr 2020 nun wieder nach Wachstum aus. Prognosen zufolge dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um etwa 2,5 Prozent zugelegt haben.

Daneben sorgen wichtige Entwicklungen für immer stärkeren Finanzbedarf. Zu nennen ist da vor allem die Bereitschaft zu massiven Änderungen in vielen wichtigen Wirtschaftsbereichen, die das wachsende Bewusstsein für den Klimawandel auslöst. Ein weiterer Faktor ist die Digitalisierung mit all ihren positiven Impulsen.

Geldanlagen mit stabilen Aussichten?

In dieser unübersichtlichen Lage müssen Sparende und Anlegende sich entscheiden: Bleibe ich untätig und lasse zu, dass die Inflation immer mehr von meinem Ersparten auffrisst? Oder bin ich bereit, auf bessere Renditechancen zu setzen und gehe dafür zumindest kleinere Risiken ein?
 
Denn nur eins ist heute sicher: Ein Ende der Niedrigzinsen ist weiter nicht in Sicht. Auch wer als Anleger:in vor allem Risiko möglichst meiden will, kommt um Anpassungen seines Sparverhaltens nicht herum. Sonst stehen am Ende der Durststrecke schnell reale Verluste.  

In dieser Lage erscheint eine ausgewogene Verteilung des Sparguthabens der beste Weg: So kann man sich auf kommende Chancen vorbereiten und behält dennoch Bodenhaftung, falls die Erholung ausbleibt. Denn alle Sicherheit wird sinnlos, wenn Sparkonten, Tages- und Festgelder realen Wertverlust erleiden oder von der Bank gar mit negativen Zinsen bestraft werden. In dieser Lage bilden neben Gold und Fremdwährungen insbesondere Immobilien bewährte Mittel zur Stabilität.

“Warte nicht darauf in Immobilien zu investieren, investiere in Immobilien und warte.”
T. Harv Eker

Die „Immobilienblase“ – Mythos oder Fakt?

Aber sind mit Immobilien-Investments heute nicht auch mit Risiken verbunden? Immer wieder hört und liest man das Schlagwort von einer „Immobilienblase“. Und ein Aspekt davon stimmt: Die Preise sind in letzter Zeit kräftig gestiegen und steigen weiter. Dennoch ist dies – jedenfalls im deutschen Markt – keine künstliche Aufblähung, sondern die Folge natürlicher äußerer Umstände.  

Ebenso trifft ein weiteres Kennzeichen von „Immobilienblasen" nicht auf die heutige Situation in Deutschland zu. In den USA und Spanien hatte 2008 eine Flut fauler Kredite die Krise ins Rollen gebracht. Bei uns dagegen unterliegt die Kreditvergabe strengen Kriterien.  

Die Banken haben aus den Fehlern in anderen Ländern gelernt und achten auf eine solide Finanzierung. Zusätzlich schaut ihnen eine überaus strenge Aufsichtsbehörde über die Schulter, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin.


Immobilien als innovative Anlage?

Der Bau- und Immobilienmarkt heute wird durch eine beispiellose Welle an Innovationen beflügelt. Die Digitalisierung und das steigende Bewusstsein für Klimaschutz führen bei Investor:innen wie Nutzer:innen zu ganz neuen Anforderungen, was ein Gebäude leisten sollte – plus dem damit verbundenen Bedarf zur Finanzierung.

Ein Bereich sind dabei CO2-sparendes Bauen und die Ausstattung mit umweltgerechter Energie- und Wärmeversorgung sowie als digital gesteuertes Smart Building. Ein anderer Bereich sind neue Nutzungsformen wie Arbeiten im Coworking-Space und Wohnen in Service- und Mikroapartments.

Großer Bedarf an neuen Wohnungen

Vor allem hat man nach Jahrzehnten weitgehenden Stillstands endlich begonnen, in größerem Maß wieder neu zu bauen beziehungsweise überalterte Substanz zu modernisieren. Neuer Wohnraum wird an vielen Orten dringend benötigt. Die Bundesregierung hat einen jährlichen Bedarf von rund 370.000 neuen Wohnungen errechnet. Der „Immobilienboom" wird also durch einen bedarfsgetriebenen Bauboom angeschoben.  

Die schönste Balance gerät jedoch aus dem Gleichgewicht, wenn das Stabilisierungssegment nicht mehr richtig arbeitet, Realwertverluste zeichnet oder gar im Sumpf negativer Zinsen versinkt. In dieser Lage erscheinen neben Gold und Fremdwährungen besonders Immobilien und namentlich Offene Immobilienfonds als probate Mittel zur Diversifikation und Stabilitätsanker.



Attraktiv, wenn alles passt: Offene Immobilienfonds

In dieser Lage erscheint eine ausbalancierte Anlagestrategie der beste Weg, die eigenen Investitionen fern von Risiken zu halten, falls die Erholung ausbleibt. So haben inzwischen einige Fondsmanager begonnen, Schwerpunkte in defensiven Sektoren und Märkten leicht zurückzunehmen. Doch sie bleiben vorsichtig. Bevor sich keine Stabilisierung im globalen Wachstumstrend abzeichnet, raten sie davon ab, den Risikoanteil im Portfolio weiter zu steigern.


Welche Offenen Immobilienfonds tragen die geringsten Risiken?

  • eine hohe Vielfalt hinsichtlich Gebäudearten und -nutzung, zum Beispiel in Form eines gesunden Mix aus Wohn- und Gewerbeimmobilien 
  • möglichst viele Objekte in guter Lage von Städten oder Ballungsgebieten mit Wachstumspotenzial 
  • eine gute geografische Verteilung über mehrere, möglichst aussichtsreiche Industrieländer, so dass die verteilten Bestände es abfangen können, wenn es in einzelnen Märkten aus politischen Gründen einmal turbulenter wird 
  • eine konstant hohe Vermietungsrate der Objekte, also sowohl geringe Leerstände als auch möglichst viele Langzeit- und Dauermieter 
  • ein möglichst geringes Durchschnittsalter der Gebäude beziehungsweise ein hoher Anteil jüngst modernisierter Gebäude 
Immobilien als Kapitalanlage sind heute also eine echte Alternative für vorsichtige Sparende und Anleger:innen. Vor allem bei Offene Immobilienfonds profitieren Sie als Anleger:in zunächst davon, dass Immobilien nicht den starken Kursschwankungen unterliegen wie Wertpapiere an der Börse. Renditen von Immobilien entwickeln sich langsamer, aber gleichmäßig. Bestandswerte und Mieteinnahmen werden nicht von kurzfristigen Ausfällen beeinträchtigt wie die Industrie und ihre global vernetzten Produktionsketten.

Betongold – Die zeitlose Alternative

Im Allgemeinen lässt sich zu keiner Anlage versprechen, dass diese hundertprozentige Sicherheit bietet. Jedoch zeichnen Immobilien mehrere Vorteile aus, die sie im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten deutlich stabiler abschneiden lassen.
 
Der Drang zum Kauf von Immobilien verstärkt sich in Zeiten wie der Corona-Krise eher noch. Zudem sind sie nicht wie andere Wirtschaftsgüter abhängig von ausländischen Märkten und Zulieferketten. Schließlich sind Sachwert-Investitionen durch den realen Eigenwert gedeckt.

Privatanleger:innen sollten ihre eigene Risikobereitschaft vor einem Investment hinterfragen und verschiedene Alternativen des Immobilien-Investments für sich prüfen: Ist nun die Einzelimmobilie, Crowdinvesting oder – als einfachster Einstieg – Offene Immobilienfonds der sinnvollste Weg? Letztere sind durch ihren gesetzlichen Rahmen vor sprunghaften Wertentwicklungen weitgehend geschützt und eignen sich somit am besten für alle, die unruhigen Zeiten zu Trotz dennoch gut schlafen möchten.

Über den Autor

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Thomas Henrich
hausInvest Ratgeber-Autor
Im Netz kursieren manchmal schwer verdauliche Definitionen aus unterschiedlichen Quellen. Grundlegendes Fachwissen, einfach und kompakt erklärt, ist hingegen selten anzutreffen. Mit meinen Beiträgen möchte ich Ihnen zunächst das Basiswissen vermitteln und Sie im Anschluss dazu einladen, gemeinsam darauf aufzubauen. Dabei bediene ich mich vieler anschaulicher Beispiele aus meiner über 20-jährigen Erfahrung im Commerzbank Konzern und erkläre komplexe Sachverhalte mithilfe von Grafiken und Vergleichen.

Mein Wunsch ist es, Sie mit profundem Wissen auszustatten. Das Thema „Finanzielle Allgemeinbildung“ ist seit vielen Jahren etwas, wofür ich mich tatkräftig engagiere. Das Ziel ist es, dass Sie am Ende eigenständig die richtige finanzielle Entscheidung für Ihr Leben treffen können.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!